Verschiedene Menschen aus unserer Gemeinde erzählen in sehr persönlichen Interviews von ihrem Glauben mit Gott. Diese Zeugnisse erscheinen seit vielen Jahre in "Gemeinde aktuell" unter der Rubrik "Menschen und Glaube".

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Der Weg mit Jesus scheint mir zu klar und zu logisch, um ihn nicht zu gehen

Unser Interviewpartner ist dieses Mal Jürgen Hess (51), Mechatroniker. Er ist glücklich verheiratet mit Karina. Zur Familie gehören außerdem ihre beiden erwachsenen Söhne Alfred und Richard. Frank Herter interviewte ihn beim Kaffeetrinken.

Jürgen, bist du eigentlich ein Freiberger?

Nein, ich komme aus Johanngeorgenstadt bei Schwarzenberg, meine Frau Karina aus Langenau. Wir haben uns während meines Studiums in der Studentenkneipe „Alte Mensa“ kennengelernt. Nach sieben Semestern habe ich mich dann beruflich wegen Perspektivlosigkeit anders orientiert und später die Ausbildung zum Mechatroniker absolviert. Danach war ich zwölf Jahre bei Solarworld u.a. in der Forschungsabteilung tätig. Durch die Insolvenz bin ich jetzt für 6,5 Monate in einer Transfergesellschaft. Sie vermittelt rund 850 Mitarbeiter in neue Arbeitsverhältnisse. Ich bin deswegen nicht unglücklich, sondern freue mich auf eine neue Aufgabe, die mir gefällt und Freude macht. Ich weiss noch nicht genau, wie es weitergehen wird. Das ist im Moment eine komische Zeit, da gibt es auch mal eine schlaflose Nacht. Aber ich vertraue darauf, dass es mit Gottes Hilfe klappen wird.

Wir kennen uns u.a. aus dem Glaubenskurs. Kannst du uns deine Geschichte mit Gott erzählen?

Meine Geschichte mit Gott hat damit angefangen, dass ich meine Frau Karina kennengelernt habe, die getauft ist. Als wir Kinder bekamen wollte sie, dass unsere Söhne auch getauft werden. Ich habe mich der Sache nicht in den Weg gestellt. Und sie haben in der Jakobikirche dann an der „kirchlichen Ausbildung“ mit Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht usw. teilgenommen. So gingen wir ein- bis zweimal im Monat in den Gottesdienst – noch mit einem ganz anderen Vorsatz und anderen Gedanken im Kopf als jetzt, aber es hat mich auch schon beeinflusst. Pfarrerin Gundula Rudloff hatte einen sehr guten Einfluss auf unsere Söhne. Alfred hat begonnen, Gitarre zu spielen und sich später in einer Band engagiert. Richard hat bei den Anspielen mitgemacht und sogar Stücke selber geschrieben. Ich habe auch bemerkt, dass die Freunde, die bei uns zu Hause „aufgeschlagen sind“, alles nette, wohlerzogene Typen waren. Ich bin dann mit zum PROMISE gegangen, weil ich meine Kinder dort erleben wollte. Da habe ich gesehen, was in der Kirche bei der Jugend so abgehen kann. Außerdem merkte ich, dass verschiedene Leute in unserer Nachbarschaft auch in die Jakobikirche gingen. Alle Leute, die mir ans Herz gewachsen und die mir wertvoll geworden sind, mit denen ich mich gerne unterhalte, waren Christen und in der Jakobigemeinde. Im Herbst 2015 hat Daniel Liebscher angedeutet, dass es im Januar einen Glaubenskurs geben wird. Den ersten Mittwoch haben wir verpasst, aber am zweiten Abend waren wir dabei. Anfangs bin ich zu den Terminen sehr widerwillig hingegangen, weil abends im Fernsehen sehr wichtige Fußballspiele liefen. Aber nach den Abenden war das ganz anders. Ich hatte überhaupt nicht mehr das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe und war letztlich doch froh, dass ich mitgegangen bin. Alfred und Richard haben mich darauf hingewiesen, dass das ja nicht von ungefähr kam. Dann ging das Gehirngetriebe bei mir an und ich dachte, dass ich der Sache mit dem Glauben eine reale Chance geben will. Ich nahm mir vor, ab jetzt ein viertel Jahr lang jeden Gottesdienst zu besuchen und den Glaubenskurs durchzuziehen. Ich sagte mir: Das mit dem Jesus will ich jetzt wissen. Beim vierten oder fünften Abend ist mir bewusst geworden, dass der Glaube eine Sache der eigenen Entscheidung ist. Ich muß nicht warten, bis mir Jesus buchstäblich „gegenüber steht“ und ich eine brachiale Erfahrung habe, die mich umhaut, sondern ich versuche es einfach einmal und gebe der Sache mit Jesus eine Chance. Nach einiger Zeit habe ich erkannt, dass es mit Gott viel einfacher ist, Problematiken und anstehende Sachen zu bewältigen, als ohne ihn. Das war eine wichtige Erfahrung für mich. Nach dem achten Mal habe ich gemerkt, dass sich wirklich was getan hat. Und ich habe mit Schrecken realisiert, dass es nur noch zwei Abende gab und dann der Kurs vorbei war. Ich fragte meine Frau: Und was ist dann? Da fehlt uns was. Und so hatten wir uns damals vorgenommen, in einen Hauskreis zu gehen. Im Herbst 2016 kam dann der Wunsch in mir auf, mich im nächsten Jahr taufen zu lassen. 2017 haben wir den Glaubenskurs noch einmal besucht.

Vor kurzem wurdest du im Gottesdienst unserer Gemeinde getauft. Welche Bedeutung hat deine Taufe für dich?

Die Taufe war ein hervorragender Moment. Das hat mich total berührt. Ich konnte die Tränen kaum verbergen, es war sehr ergreifend. Ich saß so günstig in der Kirche, dass ein Sonnenstrahl direkt auf mein Gesicht gefallen ist. Ich hatte den Eindruck, dass alles im Gottesdienst ganz speziell für mich war.

Welchen Rat gibst du jemandem, der auf der Suche nach Gott ist?

Jemandem, der alles hinterfragt und für alles Beweise braucht, sage ich: Man kann nicht alles beweisen. Ich kann nicht beweisen, ob ich meine Mutti oder meinen Pappi liebe. Ich habe sie einfach lieb. Glaube ist eine Frage der Entscheidung. Als Nicht-Christ habe ich überhaupt nicht gewusst, dass ich mit meinen Problemen vor Gott treten und er mir die Probleme auch wegnehmen kann. Ich habe alles mit mir rumgeschleppt, viele Jahre. Wahnsinn! Jetzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir vieles mit Gott bedeutend leichter fällt. Die meisten Menschen, die ich kenne, haben mit Gott zu tun. Das ist doch nicht von ungefähr. Ich kann diese „Gottesangelegenheit“ nicht mit so einem Abstand bewerten, wenn ich weiß, dass diese Menschen, die mir am Herzen liegen, mit Gott sind. So habe ich mich halsüberkopf in dieses „Gottesleben“ reingestürzt. Ich gehe jeden Sonntag in den Gottesdienst. Ich bete früh, wenn ich mit dem Auto oder dem Moped zur Arbeit fahre. Am Nachmittag danke ich Gott für alles, was er gemacht hat. Wie oft habe ich mir früher gesagt: Mann, hatte ich ein Glück! Heute sehe ich das anders, weil ich weiß, dass Gott mein Leben in der Hand hat. Ich bin noch nie so locker und gelöst in einen Arbeitsplatzwechsel gegangen. Ich habe überhaupt keine Angst mehr davor. Ich gehe nicht unter die Brücke zum Sterben. Ich vertraue Gott!

Was sind deine Hobbys?

Ich spiele gerne Fußball bei den „Alten Herrn“ im SV Fortuna Langenau. Dort war ich auch viele Jahre Fußballtrainer. Ich fahre gerne Fahrrad und Motorrad.

Welcher Bibelvers ist für dich am wichtigsten?

Der heimgekehrte bzw. der verlorene Sohn aus Lukas 15,11f:
Und er (der verlorene Sohn) machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
Die Liebe des Vaters hatte ich vor zwei Jahren absolut noch nicht verstanden, aber heute ist mir das ganz wichtig, ein Gradmesser. Dass ich niemand danach beurteile, was er gemacht hat, sondern ich beurteile, wie er ist und wie er sich mir gegenüber gibt. Ich habe viel mit Leuten zu tun auf Arbeit. Da gibt es schon mal jemanden, der vom Benehmen her oder fachlich daneben getreten ist. Mir ist wichtig, dass ich die Leute in meinem Team unvoreingenommen und fair behandle. Kein Mensch hat es verdient, extra gut oder extra schlecht behandelt zu werden. Ich muss sie alle gleich gut behandeln. Gott ist es wichtig, dass er sich um jeden gleich gut kümmert.

Welches Glaubensthema beschäftigt dich zurzeit?

Ich bin ja noch nicht so lange Christ. Es ist aber erstaunlich, was mir in den letzten eineinhalb Jahren klar geworden ist. Ich habe natürlich das Glück, zwei „Profis“ - meine Söhne Richard und Alfred – zu Hause zu haben, die beide theologische Fächer studieren. Wenn wir zusammen mit dem Auto fahren, haben wir oft ein Thema drauf. Dann diskutieren wir leidenschaftlich und ich bekomme eine Lehrstunde in Glaubensfragen von den beiden. Das macht viel Spaß. Mir ist es übrigens wie Schuppen von den Augen gefallen, dass ich jetzt mit Menschen anders umgehen muss. Das betrifft auch unsere Ehe. Wo ich mir früher keine Gedanken gemacht habe, wie ich Kritik äußere, bin ich jetzt durch Jesus ruhiger und verständnisvoller geworden.

Was begeistert dich, wenn du an unsere Gemeinde denkst?

Ich bin ein begeistertes Mitglied der Jakobigemeinde und das nicht erst jetzt, sondern schon, seit meine Jungs in die Junge Gemeinde und die PROMISE Gottesdienste gegangen sind. Ich habe gesehen, wie sie dort aufgelebt sind. Die Jakobigemeinde ist eine lebendige Gemeinde, weil man alle Altersgruppen trifft, auch viele junge Familien mit ganz kleinen Kindern.

Hast du Wünsche an unsere Gemeinde?

Mein größter Wunsch ist, dass sie diese Power und diese Vielfältigkeit behält. Ich habe mir mit Karina überlegt, dass wir uns im Kirchencafé-Team aktiv einbringen wollen. Das Kirchencafé ist sehr wichtig für die Gemeinschaft und für Leute, die sonst niemanden haben.

Wir feierten vor kurzem das Erntedankfest. Für welche drei Punkte bist du Gott besonders dankbar?

Erstens bin ich Gott total dankbar, dass er mich zu sich geholt hat. Das ist der wichtigste Punkt, weil alles andere darauf aufbaut. Dass meine Kinder den Weg mit Jesus gegangen sind, kommt ja nicht von ungefähr.
Ich bin zweitens Gott dankbar, dass ich durch meine Kinder und meine Frau zu Gott gekommen bin.
Und drittens bin ich dankbar, dass mein Leben so läuft wie es läuft. Es gibt Höhen und Tiefen, das ist ganz normal. Ich bin jetzt von Leuten angesprochen worden: „Wir haben dich vor der Kirche gesehen!“ Da sagte ich: „Ja, ich gehe jeden Sonntag in die Kirche!“ Sie flüsterten mir dann ins Ohr: „Oh, wir sind jetzt auch mal wieder da gewesen!“ Ich sagte dann: „Ihr könnt ruhig laut reden!“ Ich bin noch nie negativ auf den Glauben angesprochen worden. Und wenn, das würde mich jetzt auch nicht stören, es könnte mich nicht von meinem Weg abbringen. Der Weg mit Jesus erscheint mir zu klar und zu logisch, um ihn nicht zu gehen.

Vielen Dank für dieses spannende Interview.


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Der Glaube kann gar nicht nicht-wahr sein

Justine Richter (18) ist seit einiger Zeit Mitarbeiterin in der Jungen Gemeinde und beim PROMISE Jugendgottesdienst. Sie wohnt in Halsbach und hat gerade ihr Abi gemacht. Zurzeit steckt sie in den Vorbereitungen für ihr Auslandsjahr bei der Missionsgesellschaft Operation Mobilisation (OM). Frank Herter hat sich zum Interview mit ihr im Albertpark getroffen.

Was fasziniert dich an Jesus Christus?

Jesus ist eine Persönlichkeit, die mir jeden Tag so individuell begegnet, wie ich es brauche. Wenn ich einen besten Freund brauche, begegnet er mir als Freund. Wenn ich nicht weiß, wie es weitergeht, zeigt er mir, wohin ich gehen muss. Wenn ich Trost brauche, tröstet er mich.

Was mich vor allem fasziniert, ist seine allumfassende Liebe. Kannst du uns deine Glaubensgeschichte erzählen?

Ich bin atheistisch aufgewachsen. In der 8. Klasse hatte ich eine Freundin, die ihren Glauben sehr lebendig lebt. Das hat mich ein bisschen gewundert, weil ich wusste, dass sie über alles gut nachdenkt und nicht ganz dämlich ist. Ich habe sie dann viel über den Glauben gefragt und war total interessiert. Sie hat mich in den PROMISE mitgenommen, wo Martin Dreyer (Volxbibel) gepredigt hat. Seine Zeugnisgeschichte hat mich sehr stark angesprochen, weil sie gut auf meine Situation gepasst hat. Danach habe ich angefangen, eine Bibel zu lesen, die ich geschenkt bekommen hatte. Es begann ein Prozess, bei dem meine Zweifel immer mehr verschwanden; ich konnte es einfach glauben, obwohl mir das vorher unmöglich vorkam. Mein Leben habe ich Jesus gegeben, und zwar mit einem Bekehrungsgebet, das hinten in der Bibel drin steht; erst zu Hause und dann später in einem PROMISE.

Wie hat dein Glaube die Beziehung zu deinen Eltern beeinflusst?

Es war sehr spannungsreich. Zuerst hatte ich es meinen Eltern gar nicht erzählt, aber als ich regelmäßig zur JG gehen wollte, musste ich es ihnen dann sagen. Sie konnten es nicht wirklich nachvollziehen, weil sie nur schlechte Erfahrungen mit Kirche gemacht haben und Glaube ist ja auch nichts wissenschaftlich Erklärbares. Inzwischen kommen sie besser damit klar und wir können offener darüber reden.

Was ist deine größte Leidenschaft, wofür schlägt dein Herz?

Ich möchte gerne Jugendliche im Glauben weiterbringen und mit ihnen in Gemeinschaft das Christsein praktisch leben. Mein Herz schlägt aber auch für Kunst. Beruflich möchte ich gerne etwas Soziales, Christliches, Kreatives machen.

Bei welcher Gelegenheit hast du Gott am stärksten erlebt?

Da gibt es viele verschiedene Gelegenheiten. Einmal hat mir Gott ein extrem starkes Gefühl gegeben, für eine Person zu beten, weil es im Moment wichtig ist. Das habe ich dann gemacht und später erfahren, dass es der Person gerade total schlecht ging. Ich habe erlebt, wie Gott im Hintergrund sehr stark gewirkt hat. Außerdem habe ich erlebt, dass, egal wie schlecht es mir geht, Gott mir totale Freude schenkt, wenn ich ihm diene. Auch wenn es überhaupt nicht zu den Umständen passt. Das ist total schön und ermutigend; da spüre ich, dass der Glaube an Jesus keine Einbildung ist.

Wie redet Gott zu dir?

Er redet viel durch Bibelverse, die mir einfallen. Oder auch durch andere Menschen. Wenn ich mir unnötige Gedanken über etwas mache, dann redet Gott zu mir: Darüber brauchst du nicht nachzudenken, das steht ganz klar in der Bibel. Gott schenkt mir oft im richtigen Moment den richtigen Gedanken und ich weiß, dass es die Wahrheit ist.

Was ist dein wichtigstes Gebetsanliegen?

Ich bete regelmäßig für meine Familie und seit der Fastenzeit (Europe shall be saved - Europa soll gerettet werden) besonders auch für die Jugendlichen in Europa.

Warum möchtest du ein Auslandsjahr bei einer Missionsgesellschaft machen?

Ursprünglich wollte ich einfach nur mal ein Jahr ins Ausland. Inzwischen hat sich das ziemlich geändert. Von dem Gedanken: Wenn ich schon ins Ausland gehe, möchte ich etwas für Jesus machen und dann gehe ich auch mit einer christlichen Organisation (www.om.org) bis hin zu dem festen Entschluss: Ich will dieses Jahr Gott bewusst hingeben, mich von ihm dort gebrauchen lassen, wo er mich haben will. Ich möchte das zu seiner Ehre tun.

Du schreibst Anspiele für den PROMISE, jetzt auch aktuell wieder für das Bergstadtfest. Wie entsteht so ein Theaterstück?

Zuerst beten wir im Mitarbeiterteam darüber. Mit diesen ersten Eindrücken bete ich weiter und es entsteht eine grobe Vorstellung. Kein konkreter Plan, oft eher einzelne Teile und ein „Ziel“ des Stücks. Ich versuche dann, alles zusammenzuschreiben und es entsteht das Stück. Bei der Probe gibt es oft noch Änderungen. Aber dann ist es fertig.

Hast du noch andere Hobbys?

Ich bin im Kunst-Leistungskurs gewesen und male und zeichne auch jetzt noch sehr viel. Ich höre sehr gern Musik, spiele Theater und lese gern.

Was haben dir deine Eltern mitgegeben?

Einen großen Gerechtigkeitssinn mit festen Prinzipien, dass ich Sachen hinterfrage, meine Kreativität und ein bisschen Mathematik von meinem Papa.

Hast du Vorbilder?

Ja, viele, aber nie nur eine Person. Es sind meist eher einzelne Eigenschaften, die ich bei Leitern und Freunden bewundere und daran wachsen kann. Zum Beispiel: geduldig sein.

Worüber freust du dich zurzeit am meisten?

Ich freue mich sehr über Musik (Lobpreis) und über einzelne Gedanken, die ich darin finde. Und ich freue mich über und mit Menschen in meinem Leben, wenn sie etwas Gutes erlebt haben.

Was macht dich traurig?

Viele Leute in meinem Umfeld wissen nicht so richtig, wo ihr Leben hingeht. Nicht nur nach der Schule, sondern prinzipiell. Ihnen fehlt die Orientierung. Ich bin traurig über diese Verlorenheit überall.

Welche Bibelstelle ist dir besonders wichtig?

Seit dem Adonia-Musical „Nehemia“, in dem ich selber mitgespielt habe, ist mir diese Stelle aus Nehemia 8,10 total wichtig geworden: Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.

Hast du schon mal an Gott gezweifelt?

Ich bin ein sehr hinterfragender, kritischer Mensch. Bei mir kommen ab und zu mal eher grundlegende Zweifel auf (Ist das überhaupt alles wahr?), vielleicht auch, weil ich früher Atheist war. Aber dann merke ich sehr schnell, dass ich schon so viel mit Jesus erlebt habe. Der Glaube kann also gar nicht nicht-wahr sein. Neulich habe ich eine Predigt gehört, die mir sehr weitergeholfen hat: Wenn wir versagen oder wenn Sachen nicht funktionieren, dann merken wir, dass wir uns nicht auf das Prinzip: "Ich bete und alles funktioniert" verlassen sollen, sondern auf die Ursache, also auf Gott! Ich habe aber öfter Probleme damit gehabt.

Welche Impulse hast du vor allem aus dem Mitarbeiter-Trainingskurs mitgenommen?

Was mich am meisten geprägt hat, war der Teil zu Heilung. Mir ist klar geworden, dass wir um Heilung in Autorität beten dürfen und es wichtig ist, dass wir das tun. Wir können uns darauf verlassen, dass Gott etwas bewirkt. Ein weiterer Punkt ist, Leiterschaft wertzuschätzen. Ich habe offene Augen für das Zusammenwirken der Mitarbeiter bekommen.

Du besuchst neben unserer Gemeinde auch gerne die Ev.-Kirchliche Gemeinschaft. Welche Bedeutung hat für dich Gemeinde?

Gemeinde ist für mich absolut wichtig. Nicht nur die Gemeinde, in der man getauft wurde, sondern der ganze Leib Christi. Wichtig ist, dass wir alle zusammenarbeiten und ein Ziel haben: dass wir alle auf Jesus hinarbeiten, ihn großmachen und er unser Zentrum ist. Dann wachsen wir zusammen und es entsteht Gemeinschaft, und nicht anders herum.

Wo siehst du die größten Aufgaben der Freiberger Gemeinden?

Ich finde, die Gemeinden sollten ihre Außenwirkung stärken. Wir machen viele coole Sachen (PROMISE, Evas, …), aber das bekommen viele Leute überhaupt nicht mit. Wir sollten mehr bekannt sein für das, was wir tun, als für die Architektur unserer Gebäude.

Welche Bedeutung hat das 500-jährige Reformations- jubiläum für dich?

Am Anfang hatte es für mich gar keine Bedeutung, ich wusste auch nicht so viel über Martin Luther. Mittlerweile hat sich das geändert. Die Punkte „Allein durch Gnade“, „Allein durch Glaube“, „Allein durch Christus“ und „Allein das Wort“ sind mir sehr wichtig geworden. Wir sind aus Gnade gerettet, aus Glauben und nicht dadurch, dass wir irgendetwas tun. In diesem Jahr habe ich das nochmal richtig verstanden. Die Reformation ist ein Prozess und wir können auch nach 500 Jahren immer noch davon lernen. Wir sollten uns wieder mehr auf diese Punkte konzentrieren.

Vielen Dank für dieses ehrliche Interview.


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Wachstum in die Tiefe ist mir wichtig

Anke Büttner (50) ist Ergotherapeutin und lebt mit ihrem Mann Tomas und ihren beiden erwachsenen Söhnen, Clemens und Daniel, in Seifersdorf (bei Großschirma). Frank Herter traf sich mit ihr zu einem Interview.

Wie sieht deine persönliche Geschichte mit Gott aus? Wie bist du zum Glauben gekommen?

Ich bin traditionell christlich erzogen worden und besuchte von Kind auf die zahlreichen Angebote der Domgemeinde: Ev. Kindergarten, Christenlehre, Konfirmandenstunde und Junge Gemeinde. Während meiner Konfirmationszeit war mir schon klar, dass ich mit Gott ernst machen möchte. Deshalb war es für mich bei der Konfirmation ein bewusstes Ja-Sagen. In die Junge Gemeinde bin ich dann sehr schnell eingestiegen, zuerst als Teilnehmerin und dann auch als Mitarbeiterin. Meine Lebensübergabe fand später bei einem Jugendgottesdienst mit Theo Lehmann in der Jakobikirche statt.
Wachstum in die Tiefe ist mir schon immer wichtig gewesen. Ich war auch früher schon fragend, wobei mich nie Zweifel gequält haben. Glaube war stets „gewiss“. Ich traf mich mit drei anderen Jugendlichen zusätzlich zur JG in einem Bibelkreis. Nach meiner Ausbildung und der Hochzeit mit Tomas hat sich daraus ein Hauskreis entwickelt, den es nach über 20 Jahren mit vielen Veränderungen heute noch gibt.

Was fasziniert dich an Jesus?

Oh, ganz viel! An Jesus fasziniert mich, dass er in der Herrlichkeit Gottes war und dann auf die Erde gekommen ist. Er hat als einfacher Mensch gelebt, obwohl er wusste, wie es beim Vater war. Und dass er sich für diesen Weg nicht zu schade war, vom Säugling zum Pubertierenden, zum Zimmermann und schließlich bis ans Kreuz zu gehen. Ich finde es sehr faszinierend, er hat es aus Gnade und Liebe für uns getan, obwohl er uns noch gar nicht kannte.

Ein Leben ohne Gott wäre für dich wie …

… rumstochern in der Dunkelheit, planlos, ziellos, haltlos, fundamentlos – nicht vorstellbar.

Hat dich Gott schon einmal überrascht?

Er überrascht mich jeden Morgen neu, mit vielen kleinen und großen Dingen.

Welche Bedeutung hat für dich das Wirken des Heiligen Geistes?

Ich finde es genial, ihn als Stellvertreter Jesu in Anspruch nehmen zu können und zu wissen, dass er mir die enge Verbindung zum Vater ermöglicht. Er ist immer da und ich bin hier auf der Erde nicht alleine.

Was beschäftigt dich in Bezug auf Gott zurzeit am meisten?

Geistliches Wachstum.

Hast du ein Hobby?

Ich arbeite gern kreativ mit Ton, Papier und Holz. Dazu gestalte ich so manches in unserem Fachwerkhaus und im Garten.

Was machst du nach einem anstrengenden Arbeitstag, um zu entspannen?

Ich bin jemand, der eher aktiv entspannt. Das totale Ausruhen fällt mir sehr schwer. Wenn ich Zeit habe, laufe ich meine Runde von fünf Kilometern. Das macht mir den Kopf frei. Oder ich genieße eine Tasse Espresso vor unserem Haus auf der Bank.

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielten, was würdest du dann gern einmal machen?

Ich würde unser Haus fertig sanieren.

Welcher Bibelvers ist dir besonders wichtig? Das ist der Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte.

Wie sieht deine tägliche persönliche Zeit mit Gott aus?

Ich lese am Morgen die Losung und höre zwei Morgenandachten im Autoradio. Dazwischen nehme ich mir eine Gebetszeit. Am Abend komme ich manchmal noch zum Bibellesen.

Du bist Mitinitiatorin des Leitertrainingskurses. Was bewegt dich in Bezug auf Leiterschaft in unserer Gemeinde?

Ich sehe sehr viele „Felder“, die bestellt werden müssen, und sehr wenige „Bauern“, die das tun. Es gibt einen Mangel an Mitarbeitern und Leitern. Der Leitertrainingskurs will potentiellen Mitarbeitern helfen, sich zu entwickeln. Sie sollen ihren Platz in der Gemeinde finden und an Aufgaben herangeführt werden.

Was ist dein größtes Gebetsanliegen?

Das sind viele einzelne Menschen, aber auch ganze Familien. Ich bete um geistliches Wachstum, aber auch für die weltweite Politik.

Worüber freust du dich zurzeit am meisten?

Über meine beiden Jungs. Ich freue mich, dass Daniel im Sommer ein Auslandsjahr in Thailand machen kann. Ich freue mich über Clemens, wie er in seinen Aufgaben im Studium wächst. Und ich freue mich über meinen Mann, dass er mich liebt und wir wieder mehr Zeit füreinander haben.

Welche drei Stichworte fallen dir ein, wenn du an unsere Gemeinde denkst?

Lebendig – Tiefgründig – Wachsend.

Was gelingt unserer Gemeinde besonders gut?

Ich finde die Gottesdienste sehr gut, weil alle Altersgruppen angesprochen werden.

In welchem Bereich siehst du in unserer Gemeinde die größten Arbeitsfelder?

Ich sehe Bedarf in der Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter und Leiter. Die Wenigen, die sowieso schon viel tun, dürfen nicht unter der Belastung zusammenbrechen. Die Hauptamtlichen sollten entlastet werden und eher zu Koordinatoren werden.

Hast du einen geistlichen Tipp für den Sommerurlaub? Wie kann man Gott in der freien Zeit besonders gut begegnen?

Wir machen Zelturlaub und nehmen uns Zeit zum Bibellesen in der Stille der Natur. Das kann ich sehr empfehlen.

Vielen Dank, Anke, für das interessante Gespräch.


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Jesus, mach du, dass ich vergeben kann

Robert Sieland (33), gebürtig in Bad Langensalza (Thüringen), ist durch das Studium nach Freiberg gekommen und mit Madeleine verheiratet. Die beiden sind seit September 2014 Mitglied unserer Gemeinde. Robert ist von Beruf Hydrogeologe (Stichwort Grundwasser) und arbeitet in unserer Gemeinde im Glaubenskurs und im Kirchencafé mit. Außerdem ist er Hauskreisleiter und nimmt am Leitertrainingskurs teil. Frank Herter hat sich mit ihm unterhalten.

Robert, bist du in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen?

Ja, das kann man so sagen. Meine Mutter ist evangelisch und mein Vater katholisch. Ich bin zur Christenlehre gegangen, konfirmiert worden und war in der Jungen Gemeinde. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass es ein lebendiger Glaube war. Gottesdienst erlebte ich nur traditionell und theoretisch.

Wie bist du dann zum lebendigen Glauben gekommen?

Durch das Studium hier in Freiberg hat sich das geändert. Ich bekam Kontakt zu Christen (u.a. bei der SMD), die völlig anders waren. Einer von ihnen war Geologe mit einer lustigen Natur. Eines Tages kam er mit seiner Frau in die Geologie-Vorlesung und ich rief ihm zu: „Mensch, alter Kumpel, komm setz dich zu mir und lass mich an deinem geologischen Geist teilhaben!“ Er schaute mich total ernst an und fragte: „Bist du wirklich im Geist?“
Das hat mich getroffen, denn ich wusste ganz genau, was er meinte. Wir haben uns dann zum Kaffee verabredet und ich habe ihm von meinem theoretischen Glauben erzählt. Ich glaubte an ein Leben nach dem Tod, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass mich Jesus liebt und er eine persönliche Beziehung mit mir haben will und ich mit ihm reden kann. Das war mir völlig unklar. Dieser Geologe hat mich dann zu einem Jüngerschafts-Hauskreis eingeladen. Die Gemeinschaft mit den Christen dort hat meinen Glauben nach und nach verändert.
Meine Bekehrung habe ich bei einem ProChrist-Abend im Kinopolis Freiberg erlebt. Ich hatte mir den Vortrag angehört und fand ihn gut. Danach wurde dazu aufgerufen, nach vorne ans Kreuz zu kommen und sein Leben Jesus zu übergeben. Ich fand das total doof und dachte mir: Das ist jetzt das Peinlichste der ganzen Veranstaltung. Das musst du jetzt irgendwie aussitzen. Ich gehe niemals da vor! Da kriegen mich keine zehn Pferde hin! Und dann gingen die ersten Jugendlichen vor zum Kreuz. Ich habe mich im Kopf total dagegen gewehrt, aber plötzlich bin ich ganz mechanisch aufgestanden und mit nach vorne gegangen. Die Mitarbeiter haben dann für uns gebetet. Es war für mich in diesem Moment völlig emotionslos, aber ich habe zu Jesus gesagt: „Ja, ich will dir mein Leben geben!“ Ab diesem Zeitpunkt hat Jesus in mir Stück für Stück stark gewirkt.

Was war dein größtes Erlebnis mit Gott?

Das war, als ich meine Frau kennengelernt habe. Ich war lange Zeit solo. Alle meine Freunde um mich herum hatten Freundinnen und haben geheiratet. Das hat mich extrem frustriert. Ich dachte mir: Ich Pausenclown kriege sowieso keine! Ich habe nächtelang mit Gott gehadert und habe ihn angefleht, dass er mich nicht einsam und alleine irgendwo sterben lassen soll. Das ging monatelang so. Bis ich urplötzlich von Gott einen Gedanken bekam: „Ich habe definitiv eine Frau für dich! Es gibt da draußen eine Frau, die ich für dich vorbereitet habe! Aber du bekommst sie erst, wenn du 30 Jahre alt bist!“
Das Problem war aber, dass ich erst 23 Jahre alt war. Ich dachte mir: Oh mein Gott, das willst du mir antun? Ich soll sieben Jahre warten? Nachdem der Schock verflogen war, hatte ich tatsächlich Ruhe und inneren Frieden. Ich bin auch nicht mehr verzweifelt zu irgendwelchen Partys gerannt, um Frauen kennenzulernen. Ich habe nicht mehr aktiv gesucht. Einige Jahre später habe ich dann mit 28 meine heutige Frau Madeleine kennengelernt. Sie war anfangs Studentin in meinen Seminaren, ich war Lehrer an der Uni. Nachdem alle meine Lehrveranstaltungen, an denen Madeleine teilnahm, zu Ende waren, sind wir als Paar zusammengekommen. Schließlich habe ich Madeleine einen Monat vor meinem 31. Geburtstag geheiratet. Das war mein größtes Erlebnis mit Gott!

Wie und wann hast du die Führung des Heiligen Geistes am deutlichsten gespürt?

Den Heiligen Geist habe ich am stärksten letztes Jahr beim Glaubenskurs gespürt, zu dem er mich geführt hat. Ich hatte gedacht, dass ich als Teilnehmer hingehen könnte, um etwas zu lernen. Und dann wurde ich von Daniel Liebscher angesprochen, ob ich dort nicht mitarbeiten wollte. Ich habe zugesagt und bin bei dieser Arbeit sehr stark gewachsen und habe viel Vertrauen zu meinem Glauben bekommen.
Die Führung des Heiligen Geistes habe ich aber besonders gespürt, als ich das Thema „Wer ist Jesus?“ vorbereitet und gehalten habe. Ich war mega-aufgeregt und hatte das Gefühl, dass ich Jesus eigentlich gar nicht kenne. Ich hatte die Befürchtung, dass ich auf Fragen überhaupt nicht antworten könnte. Und als es dann soweit war, habe ich zum ersten Mal so richtig den Heiligen Geist gespürt. Nachdem wir als Mitarbeiter gebetet hatten, bin ich ganz ruhig geworden, tiefenentspannt. Während meines Vortrages konnte ich mich regelrecht „neben mich stellen“ und mich selbst reden hören. Ich musste nicht nachdenken, die Worte flossen wie ein Wasserfall aus mir heraus. Das war der Hammer!

Welche der drei Personen Gottes fasziniert dich am meisten?

Wenn ich bete, bete ich meistens zu Gott, dem Vater. Aber wenn ich Angst habe, dann bete ich zu Jesus, z. B. wenn ich zum Zahnarzt muss oder wenn ich im Ausland unterwegs bin und Angst vor Überfällen habe. Für die großen Dinge des Lebens (Führung oder Partnerschaft) ist aber der Vater zuständig.

Wie sieht deine tägliche Zeit mit Jesus aus?

Die hat sich seit dem Leitertrainingskurs sehr entwickelt, weil wir da einen Bibelleseplan haben. Dadurch schaffe ich es nämlich, regelmäßig in der Bibel zu lesen und auch zu beten. Ich mache das immer früh im Zug, wenn ich nach Chemnitz zur Arbeit fahre.

Du bist Mitarbeiter im Glaubenskurs. Warum engagierst du dich gerade in diesem Bereich?

Weil mich Daniel Liebscher angesprochen hat. Ich brauche immer einen Impuls. Seit ich mit meiner Frau verheiratet bin, haben wir einen sehr routinemäßigen Alltagstrott: Fahrt zur Arbeit, acht Stunden Arbeit, Rückfahrt nach Hause. Wir beide haben uns gesagt, dass das nicht alles sein kann. Wir wollten uns in der Gemeinde engagieren, wussten aber nicht wie und wo, und da kam die Anfrage wie gerufen.

Welche zwei Charaktereigenschaften beschreiben dich am besten?

Humorvoll und kontaktfreudig.

Was sind deine Hobbys?

Tauchen in Seen und Steinbrüchen, Joggen, Fahrradfahren und Schwimmen.

Wie entspannst du dich nach einer anstrengenden Woche?

Am besten durch ein Wochenende ohne Termine, wo ich einfach mal zu Hause sein kann. Dann spiele ich gerne auch ab und zu Akkordeon.

Was begeistert dich am meisten?

Ich bin gerne in der Natur und emotional sehr ergriffen, wenn die Ruhe eines Waldes mich umgibt oder ich einen schönen Sonnenuntergang beobachte. Und dann liebe ich das Reisen in exotische Länder Afrikas oder Südamerikas. Während meiner Doktorarbeitszeit konnte ich viermal nach Bolivien reisen.

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielten, was würdest du dann gerne einmal machen?

Ich würde gerne für einige Zeit ins Ausland gehen und in der Entwicklungshilfe arbeiten, zum Beispiel Brunnen bohren. Etwas machen, was wirklich sinnvoll ist und wo ich meine Fähigkeiten und mein studiertes Wissen für Bedürftige einsetzen kann.

Was ist dein größtes Gebetsanliegen?

Meine Frau und ich fragen Gott derzeit, wie es in Zukunft für uns beide job-mäßig weitergehen soll. Sie arbeitet in Dresden, ich in Chemnitz. Und wir wohnen hier in Freiberg. Das tägliche Pendeln ist keine Dauerlösung.

Wo siehst du Gott im Moment am stärksten wirken?

Gott gebraucht mich als „Werkzeug“ für die Teilnehmer im Glaubenskurs. Er wirkt in mir, indem er mir das Gebet und die Fürbitte sehr wichtig macht.

Welcher Bibelvers ist für dich besonders bedeutsam und warum?

Das ist unser Trauspruch aus 2. Timotheus 1,7:
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Das finde ich sehr wichtig. Angesichts der Schreckensnachrichten, die man täglich hört, kann es einem schon bange werden. Wenn ich mir dann diesen Bibelspruch ins Gedächtnis rufe, hilft er mir, auf Gott zu vertrauen. Er will nicht, dass wir in Angst leben, sondern mutig und stark werden.

Wenn du wüsstest, dass ein dir bekannter Mensch nur noch kurze Zeit zu leben hat, was würdest du tun?

Dann würde ich zu diesem Menschen hingehen und ihn um Entschuldigung bitten für alles, was ich ihm gegenüber falsch gemacht habe, auch wenn mir das sehr schwer fällt. Solch eine Situation hat mir Gott zum Glück schon geschenkt.
Das Verhältnis zu meinem Stiefvater war, seit ich ihn kenne, sehr schlecht. Er provozierte mich und ich reagierte unangemessen. Ich wusste immer schon, dass ich ihm vergeben muss, aber ich konnte es nicht. Irgendwann habe ich gebetet: „Jesus, ich will ihm vergeben, aber ich kann es nicht. Mach du, dass ich es kann!“ Nach diesem Gebet wusste ich, dass Gott eine Situation schaffen wird, wo ich ihm vergeben kann und muss. Eines Tages kam ein Anruf, dass er im Krankenhaus liegt und eine schwierige Operation bevorsteht, wobei es nicht sicher war, ob er sie überleben würde. Für mich war spätestens in diesem Moment klar: Jetzt musste ich zu ihm! Ich ging hin und stand an seinem Krankenbett, und da sprach er mich von sich aus darauf an. Ich war Jesus so dankbar. Wir haben uns ausgesprochen und ich konnte ihm vergeben. Es war sehr heilsam.

Was begeistert dich, wenn du an unsere Gemeinde denkst?

Die Vielfalt, dass Junge und Alte, Familien und Einzelpersonen und sogar Flüchtlinge da sind. Und dass sich viele in der Gemeinde engagieren.

Welches Fest ist für dich bedeut-samer: Ostern oder Pfingsten?

Seit dem letzten Glaubenskurs ist mir Pfingsten zunehmend wichtiger geworden. Der Grund dafür ist der Heilige Geist, den braucht man jeden Tag. Er gibt uns die Kraft zum Glauben.

Vielen Dank für dieses authentische Gespräch.
Frank Herter