Verschiedene Menschen aus unserer Gemeinde erzählen in sehr persönlichen Interviews von ihrem Glauben mit Gott. Diese Zeugnisse erscheinen seit vielen Jahre in "Gemeinde aktuell" unter der Rubrik "Menschen und Glaube".

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Wachstum in die Tiefe ist mir wichtig

Anke Büttner (50) ist Ergotherapeutin und lebt mit ihrem Mann Tomas und ihren beiden erwachsenen Söhnen, Clemens und Daniel, in Seifersdorf (bei Großschirma). Frank Herter traf sich mit ihr zu einem Interview.

Wie sieht deine persönliche Geschichte mit Gott aus? Wie bist du zum Glauben gekommen?

Ich bin traditionell christlich erzogen worden und besuchte von Kind auf die zahlreichen Angebote der Domgemeinde: Ev. Kindergarten, Christenlehre, Konfirmandenstunde und Junge Gemeinde. Während meiner Konfirmationszeit war mir schon klar, dass ich mit Gott ernst machen möchte. Deshalb war es für mich bei der Konfirmation ein bewusstes Ja-Sagen. In die Junge Gemeinde bin ich dann sehr schnell eingestiegen, zuerst als Teilnehmerin und dann auch als Mitarbeiterin. Meine Lebensübergabe fand später bei einem Jugendgottesdienst mit Theo Lehmann in der Jakobikirche statt.
Wachstum in die Tiefe ist mir schon immer wichtig gewesen. Ich war auch früher schon fragend, wobei mich nie Zweifel gequält haben. Glaube war stets „gewiss“. Ich traf mich mit drei anderen Jugendlichen zusätzlich zur JG in einem Bibelkreis. Nach meiner Ausbildung und der Hochzeit mit Tomas hat sich daraus ein Hauskreis entwickelt, den es nach über 20 Jahren mit vielen Veränderungen heute noch gibt.

Was fasziniert dich an Jesus?

Oh, ganz viel! An Jesus fasziniert mich, dass er in der Herrlichkeit Gottes war und dann auf die Erde gekommen ist. Er hat als einfacher Mensch gelebt, obwohl er wusste, wie es beim Vater war. Und dass er sich für diesen Weg nicht zu schade war, vom Säugling zum Pubertierenden, zum Zimmermann und schließlich bis ans Kreuz zu gehen. Ich finde es sehr faszinierend, er hat es aus Gnade und Liebe für uns getan, obwohl er uns noch gar nicht kannte.

Ein Leben ohne Gott wäre für dich wie …

… rumstochern in der Dunkelheit, planlos, ziellos, haltlos, fundamentlos – nicht vorstellbar.

Hat dich Gott schon einmal überrascht?

Er überrascht mich jeden Morgen neu, mit vielen kleinen und großen Dingen.

Welche Bedeutung hat für dich das Wirken des Heiligen Geistes?

Ich finde es genial, ihn als Stellvertreter Jesu in Anspruch nehmen zu können und zu wissen, dass er mir die enge Verbindung zum Vater ermöglicht. Er ist immer da und ich bin hier auf der Erde nicht alleine.

Was beschäftigt dich in Bezug auf Gott zurzeit am meisten?

Geistliches Wachstum.

Hast du ein Hobby?

Ich arbeite gern kreativ mit Ton, Papier und Holz. Dazu gestalte ich so manches in unserem Fachwerkhaus und im Garten.

Was machst du nach einem anstrengenden Arbeitstag, um zu entspannen?

Ich bin jemand, der eher aktiv entspannt. Das totale Ausruhen fällt mir sehr schwer. Wenn ich Zeit habe, laufe ich meine Runde von fünf Kilometern. Das macht mir den Kopf frei. Oder ich genieße eine Tasse Espresso vor unserem Haus auf der Bank.

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielten, was würdest du dann gern einmal machen?

Ich würde unser Haus fertig sanieren.

Welcher Bibelvers ist dir besonders wichtig? Das ist der Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte.

Wie sieht deine tägliche persönliche Zeit mit Gott aus?

Ich lese am Morgen die Losung und höre zwei Morgenandachten im Autoradio. Dazwischen nehme ich mir eine Gebetszeit. Am Abend komme ich manchmal noch zum Bibellesen.

Du bist Mitinitiatorin des Leitertrainingskurses. Was bewegt dich in Bezug auf Leiterschaft in unserer Gemeinde?

Ich sehe sehr viele „Felder“, die bestellt werden müssen, und sehr wenige „Bauern“, die das tun. Es gibt einen Mangel an Mitarbeitern und Leitern. Der Leitertrainingskurs will potentiellen Mitarbeitern helfen, sich zu entwickeln. Sie sollen ihren Platz in der Gemeinde finden und an Aufgaben herangeführt werden.

Was ist dein größtes Gebetsanliegen?

Das sind viele einzelne Menschen, aber auch ganze Familien. Ich bete um geistliches Wachstum, aber auch für die weltweite Politik.

Worüber freust du dich zurzeit am meisten?

Über meine beiden Jungs. Ich freue mich, dass Daniel im Sommer ein Auslandsjahr in Thailand machen kann. Ich freue mich über Clemens, wie er in seinen Aufgaben im Studium wächst. Und ich freue mich über meinen Mann, dass er mich liebt und wir wieder mehr Zeit füreinander haben.

Welche drei Stichworte fallen dir ein, wenn du an unsere Gemeinde denkst?

Lebendig – Tiefgründig – Wachsend.

Was gelingt unserer Gemeinde besonders gut?

Ich finde die Gottesdienste sehr gut, weil alle Altersgruppen angesprochen werden.

In welchem Bereich siehst du in unserer Gemeinde die größten Arbeitsfelder?

Ich sehe Bedarf in der Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter und Leiter. Die Wenigen, die sowieso schon viel tun, dürfen nicht unter der Belastung zusammenbrechen. Die Hauptamtlichen sollten entlastet werden und eher zu Koordinatoren werden.

Hast du einen geistlichen Tipp für den Sommerurlaub? Wie kann man Gott in der freien Zeit besonders gut begegnen?

Wir machen Zelturlaub und nehmen uns Zeit zum Bibellesen in der Stille der Natur. Das kann ich sehr empfehlen.

Vielen Dank, Anke, für das interessante Gespräch.


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Jesus, mach du, dass ich vergeben kann

Robert Sieland (33), gebürtig in Bad Langensalza (Thüringen), ist durch das Studium nach Freiberg gekommen und mit Madeleine verheiratet. Die beiden sind seit September 2014 Mitglied unserer Gemeinde. Robert ist von Beruf Hydrogeologe (Stichwort Grundwasser) und arbeitet in unserer Gemeinde im Glaubenskurs und im Kirchencafé mit. Außerdem ist er Hauskreisleiter und nimmt am Leitertrainingskurs teil. Frank Herter hat sich mit ihm unterhalten.

Robert, bist du in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen?

Ja, das kann man so sagen. Meine Mutter ist evangelisch und mein Vater katholisch. Ich bin zur Christenlehre gegangen, konfirmiert worden und war in der Jungen Gemeinde. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass es ein lebendiger Glaube war. Gottesdienst erlebte ich nur traditionell und theoretisch.

Wie bist du dann zum lebendigen Glauben gekommen?

Durch das Studium hier in Freiberg hat sich das geändert. Ich bekam Kontakt zu Christen (u.a. bei der SMD), die völlig anders waren. Einer von ihnen war Geologe mit einer lustigen Natur. Eines Tages kam er mit seiner Frau in die Geologie-Vorlesung und ich rief ihm zu: „Mensch, alter Kumpel, komm setz dich zu mir und lass mich an deinem geologischen Geist teilhaben!“ Er schaute mich total ernst an und fragte: „Bist du wirklich im Geist?“
Das hat mich getroffen, denn ich wusste ganz genau, was er meinte. Wir haben uns dann zum Kaffee verabredet und ich habe ihm von meinem theoretischen Glauben erzählt. Ich glaubte an ein Leben nach dem Tod, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass mich Jesus liebt und er eine persönliche Beziehung mit mir haben will und ich mit ihm reden kann. Das war mir völlig unklar. Dieser Geologe hat mich dann zu einem Jüngerschafts-Hauskreis eingeladen. Die Gemeinschaft mit den Christen dort hat meinen Glauben nach und nach verändert.
Meine Bekehrung habe ich bei einem ProChrist-Abend im Kinopolis Freiberg erlebt. Ich hatte mir den Vortrag angehört und fand ihn gut. Danach wurde dazu aufgerufen, nach vorne ans Kreuz zu kommen und sein Leben Jesus zu übergeben. Ich fand das total doof und dachte mir: Das ist jetzt das Peinlichste der ganzen Veranstaltung. Das musst du jetzt irgendwie aussitzen. Ich gehe niemals da vor! Da kriegen mich keine zehn Pferde hin! Und dann gingen die ersten Jugendlichen vor zum Kreuz. Ich habe mich im Kopf total dagegen gewehrt, aber plötzlich bin ich ganz mechanisch aufgestanden und mit nach vorne gegangen. Die Mitarbeiter haben dann für uns gebetet. Es war für mich in diesem Moment völlig emotionslos, aber ich habe zu Jesus gesagt: „Ja, ich will dir mein Leben geben!“ Ab diesem Zeitpunkt hat Jesus in mir Stück für Stück stark gewirkt.

Was war dein größtes Erlebnis mit Gott?

Das war, als ich meine Frau kennengelernt habe. Ich war lange Zeit solo. Alle meine Freunde um mich herum hatten Freundinnen und haben geheiratet. Das hat mich extrem frustriert. Ich dachte mir: Ich Pausenclown kriege sowieso keine! Ich habe nächtelang mit Gott gehadert und habe ihn angefleht, dass er mich nicht einsam und alleine irgendwo sterben lassen soll. Das ging monatelang so. Bis ich urplötzlich von Gott einen Gedanken bekam: „Ich habe definitiv eine Frau für dich! Es gibt da draußen eine Frau, die ich für dich vorbereitet habe! Aber du bekommst sie erst, wenn du 30 Jahre alt bist!“
Das Problem war aber, dass ich erst 23 Jahre alt war. Ich dachte mir: Oh mein Gott, das willst du mir antun? Ich soll sieben Jahre warten? Nachdem der Schock verflogen war, hatte ich tatsächlich Ruhe und inneren Frieden. Ich bin auch nicht mehr verzweifelt zu irgendwelchen Partys gerannt, um Frauen kennenzulernen. Ich habe nicht mehr aktiv gesucht. Einige Jahre später habe ich dann mit 28 meine heutige Frau Madeleine kennengelernt. Sie war anfangs Studentin in meinen Seminaren, ich war Lehrer an der Uni. Nachdem alle meine Lehrveranstaltungen, an denen Madeleine teilnahm, zu Ende waren, sind wir als Paar zusammengekommen. Schließlich habe ich Madeleine einen Monat vor meinem 31. Geburtstag geheiratet. Das war mein größtes Erlebnis mit Gott!

Wie und wann hast du die Führung des Heiligen Geistes am deutlichsten gespürt?

Den Heiligen Geist habe ich am stärksten letztes Jahr beim Glaubenskurs gespürt, zu dem er mich geführt hat. Ich hatte gedacht, dass ich als Teilnehmer hingehen könnte, um etwas zu lernen. Und dann wurde ich von Daniel Liebscher angesprochen, ob ich dort nicht mitarbeiten wollte. Ich habe zugesagt und bin bei dieser Arbeit sehr stark gewachsen und habe viel Vertrauen zu meinem Glauben bekommen.
Die Führung des Heiligen Geistes habe ich aber besonders gespürt, als ich das Thema „Wer ist Jesus?“ vorbereitet und gehalten habe. Ich war mega-aufgeregt und hatte das Gefühl, dass ich Jesus eigentlich gar nicht kenne. Ich hatte die Befürchtung, dass ich auf Fragen überhaupt nicht antworten könnte. Und als es dann soweit war, habe ich zum ersten Mal so richtig den Heiligen Geist gespürt. Nachdem wir als Mitarbeiter gebetet hatten, bin ich ganz ruhig geworden, tiefenentspannt. Während meines Vortrages konnte ich mich regelrecht „neben mich stellen“ und mich selbst reden hören. Ich musste nicht nachdenken, die Worte flossen wie ein Wasserfall aus mir heraus. Das war der Hammer!

Welche der drei Personen Gottes fasziniert dich am meisten?

Wenn ich bete, bete ich meistens zu Gott, dem Vater. Aber wenn ich Angst habe, dann bete ich zu Jesus, z. B. wenn ich zum Zahnarzt muss oder wenn ich im Ausland unterwegs bin und Angst vor Überfällen habe. Für die großen Dinge des Lebens (Führung oder Partnerschaft) ist aber der Vater zuständig.

Wie sieht deine tägliche Zeit mit Jesus aus?

Die hat sich seit dem Leitertrainingskurs sehr entwickelt, weil wir da einen Bibelleseplan haben. Dadurch schaffe ich es nämlich, regelmäßig in der Bibel zu lesen und auch zu beten. Ich mache das immer früh im Zug, wenn ich nach Chemnitz zur Arbeit fahre.

Du bist Mitarbeiter im Glaubenskurs. Warum engagierst du dich gerade in diesem Bereich?

Weil mich Daniel Liebscher angesprochen hat. Ich brauche immer einen Impuls. Seit ich mit meiner Frau verheiratet bin, haben wir einen sehr routinemäßigen Alltagstrott: Fahrt zur Arbeit, acht Stunden Arbeit, Rückfahrt nach Hause. Wir beide haben uns gesagt, dass das nicht alles sein kann. Wir wollten uns in der Gemeinde engagieren, wussten aber nicht wie und wo, und da kam die Anfrage wie gerufen.

Welche zwei Charaktereigenschaften beschreiben dich am besten?

Humorvoll und kontaktfreudig.

Was sind deine Hobbys?

Tauchen in Seen und Steinbrüchen, Joggen, Fahrradfahren und Schwimmen.

Wie entspannst du dich nach einer anstrengenden Woche?

Am besten durch ein Wochenende ohne Termine, wo ich einfach mal zu Hause sein kann. Dann spiele ich gerne auch ab und zu Akkordeon.

Was begeistert dich am meisten?

Ich bin gerne in der Natur und emotional sehr ergriffen, wenn die Ruhe eines Waldes mich umgibt oder ich einen schönen Sonnenuntergang beobachte. Und dann liebe ich das Reisen in exotische Länder Afrikas oder Südamerikas. Während meiner Doktorarbeitszeit konnte ich viermal nach Bolivien reisen.

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielten, was würdest du dann gerne einmal machen?

Ich würde gerne für einige Zeit ins Ausland gehen und in der Entwicklungshilfe arbeiten, zum Beispiel Brunnen bohren. Etwas machen, was wirklich sinnvoll ist und wo ich meine Fähigkeiten und mein studiertes Wissen für Bedürftige einsetzen kann.

Was ist dein größtes Gebetsanliegen?

Meine Frau und ich fragen Gott derzeit, wie es in Zukunft für uns beide job-mäßig weitergehen soll. Sie arbeitet in Dresden, ich in Chemnitz. Und wir wohnen hier in Freiberg. Das tägliche Pendeln ist keine Dauerlösung.

Wo siehst du Gott im Moment am stärksten wirken?

Gott gebraucht mich als „Werkzeug“ für die Teilnehmer im Glaubenskurs. Er wirkt in mir, indem er mir das Gebet und die Fürbitte sehr wichtig macht.

Welcher Bibelvers ist für dich besonders bedeutsam und warum?

Das ist unser Trauspruch aus 2. Timotheus 1,7:
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Das finde ich sehr wichtig. Angesichts der Schreckensnachrichten, die man täglich hört, kann es einem schon bange werden. Wenn ich mir dann diesen Bibelspruch ins Gedächtnis rufe, hilft er mir, auf Gott zu vertrauen. Er will nicht, dass wir in Angst leben, sondern mutig und stark werden.

Wenn du wüsstest, dass ein dir bekannter Mensch nur noch kurze Zeit zu leben hat, was würdest du tun?

Dann würde ich zu diesem Menschen hingehen und ihn um Entschuldigung bitten für alles, was ich ihm gegenüber falsch gemacht habe, auch wenn mir das sehr schwer fällt. Solch eine Situation hat mir Gott zum Glück schon geschenkt.
Das Verhältnis zu meinem Stiefvater war, seit ich ihn kenne, sehr schlecht. Er provozierte mich und ich reagierte unangemessen. Ich wusste immer schon, dass ich ihm vergeben muss, aber ich konnte es nicht. Irgendwann habe ich gebetet: „Jesus, ich will ihm vergeben, aber ich kann es nicht. Mach du, dass ich es kann!“ Nach diesem Gebet wusste ich, dass Gott eine Situation schaffen wird, wo ich ihm vergeben kann und muss. Eines Tages kam ein Anruf, dass er im Krankenhaus liegt und eine schwierige Operation bevorsteht, wobei es nicht sicher war, ob er sie überleben würde. Für mich war spätestens in diesem Moment klar: Jetzt musste ich zu ihm! Ich ging hin und stand an seinem Krankenbett, und da sprach er mich von sich aus darauf an. Ich war Jesus so dankbar. Wir haben uns ausgesprochen und ich konnte ihm vergeben. Es war sehr heilsam.

Was begeistert dich, wenn du an unsere Gemeinde denkst?

Die Vielfalt, dass Junge und Alte, Familien und Einzelpersonen und sogar Flüchtlinge da sind. Und dass sich viele in der Gemeinde engagieren.

Welches Fest ist für dich bedeut-samer: Ostern oder Pfingsten?

Seit dem letzten Glaubenskurs ist mir Pfingsten zunehmend wichtiger geworden. Der Grund dafür ist der Heilige Geist, den braucht man jeden Tag. Er gibt uns die Kraft zum Glauben.

Vielen Dank für dieses authentische Gespräch.
Frank Herter